Sperranlagen am Kreuzbergpaß

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gehörte das nordwestlich des Kreuzbergpasses liegende Sextental noch zur österreich-ungarischen Monarchie. Schon damals gab es hier Festungswerke, die den Übergang über den Kreuzbergpaß sperren sollen – damals wollte man so einen möglichen italienischen Durchbruch in das mit seiner Bahnlinie strategisch wichtige Pustertal verhindern. So wurden hier in den Jahren 1885-1889 zwei Festungswerke, “Mitterberg” und “Haideck”, errichtet. Diese bildeten zusammen mit Kampfanlagen auf den angrenzenden Bergen Innergsell (2065 m) und Hornischeck (2550 m) Werk Mitterberg - Nordostseite die “Sperre Sexten”. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs zeigte sich jedoch schnell, daß die Sperrwerke – während ihres Baus noch hochmodern – inzwischen der modernen Artillerie nicht mehr gewachsen waren. Daher wurden sie desarmiert und die Geschütze in feldmäßige Stellungen gebracht. Haideck wurde während der Kampfhandlungen nahezu vollständig zerstört. Mitterberg bekam aber keine schweren Treffer und diente als Infanteriestützpunkt. Die Bewaffnung des Werkes Mitterberg bestand anfangs aus

  • drei 12-cm-Minimalschartenkanonen M80
  • drei 15-cm-Mörsern M78 in Panzerkuppeln
  • fünf 11-mm-Montigny-Mitrailleusen.

Später wurde die Bewaffnung modernisiert: die Mörser wurden durch 10-cm-Panzerhaubitzen und die Mitrailleusen durch Maschinengewehre ersetzt. Zusätzlich bekam das Werk einen drehbaren Beobachtungsstand. Seit 1891 hatte es bereits ein Stromaggregat, das neben der Innenbeleuchtung auch einen 60-cm-Scheinwerfer mit Strom versorgte.
Mitterberg ist noch verhältnismäßig gut erhalten und einen Besuch wert. Das Werk kann jedoch nicht begangen werden.


In der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg wurden an wichtigen Paßstraßen, die das inzwischen zu Italien gehörende Südtirol mit dem Rest des Landes verbinden, zahlreiche Sperranlagen gebaut. Dazu gehören u.a. Panzergräben, größere und kleinere Sperrbunker in verschiedenen Ausführungen und in Fels gesprengte Bunkergalerien. Eine dieser Galerien befindet sich in den Felsen des Arzalpenkopfes (Croda Sora I Colesei) oberhalb des Kreuzbergpasses (Passo Montecroce Comelico), der das Sextental als Verlängerung des Pustertals mit dem Comelico verbindet.

Der Aufstieg zu der schon vom Kreuzbergpaß aus sichtbaren Galerie beginnt hinter dem Kreuzbergpaßhotel. Man folgt dem Skilift bis auf die dem Arzalpenkopf vorgelagerten Hügel des Katzengrant (Campestrin). Auch hier befinden sich sich oberirdische Sperrbunker aus der Zeit Mussolinis. Die Innenkonstruktion ist mit der der Galerie identisch.

Von hier aus vorbei am Bärensee (Lago dell' Orso) und einer Almhütte gelang man auf die ehemalige Bau- und Zufahrtsstraße der Galerie, die aus Tarnungsgründen hinter den kleinen Grat gelegt wurde. Folgt man ihr in grob westlicher Richtung, so gelangt Haupt- und unterer Eingang mit MG-Scharte man nach etwa 20 Minuten an die drei Eingänge der Galerie. Diese lagen auf drei Ebenen und jeder wurde von einem Infanteriebunker geschützt. Die Hauptebene hat eine Meereshöhe von etwa 2025 m.

Am oberen Eingang befindet sich eine massive Stahltür, die etwa anderthalb Zentimeter dick ist. Nach zwei Metern zweigt der Gang zum Infanteriebunker ab, dort auch einige Latrinen. Über Treppen gelangt man in die etwa acht Meter tieferliegende Hauptetage. Hier befanden sich die Kasematten. Wie man schnell sieht, wurde die Anlage nicht fertiggestellt. Elektroinstallationen fehlten fast völlig, auch Einbauten wie Zwischentüren, Beleuchtung und Ventilation sind nicht fertig geworden. Die Betonierung hingegen ist vollständig und sauber verarbeitet, und durch die Luftschächte weht Frischluft in den Bau.

Die gesamte Galerie durchzieht ein gerader Zentralgang, von dem die einzelnen Gänge zu den Geschütz- und Beobachtungs-/ Feuerleitständen abzweigen (Bild). Jeder dieser Gänge knickt (wohl aus Schutz vor Beschuß) mindestens einmal ab und konnte zudem durch weitere Stahltüren verschlossen werden. Die Galerie sollte wohl auch gasdicht gemacht werden, wozu es jedoch nicht mehr kam.

Mindestens vier der Außenbunker der Galerie waren für Artillerie geplant, weitere vier sollten offenbar mit MGs oder Schnellfeuerkanonen bestückt werden. Die anderen Außenbunker dienten der Flankierung oder der Beobachtung. Die meisten Außenbunker treten aus der Steilwand des Arzalpenkopfes hervor und sind ohne Kletterei praktisch nicht zu erreichen (Bild).

Am westlichen Ende des Hauptgangs befindet sich ein weiterer Bunkerblock mit zwei Westliches Ende der Galerie mit Bunkern Artillerie- und zwei Infanterie-/ Beobachtungsbunkern, zu denen teilweise verfallene hölzerne (!) Wendeltreppen führen.

Neben dieser alles überragenden Galerie ziehen sich etwa 6-8 einzeln stehende kleinere Bunker auf der Paßhöhe bis zum Knieberg (Col Quaterna) auf der gegenüber liegenden Seite des Kreuzbergpasses hin. Dort befindet sich eine große oberirdische Bunkeranlage (Ex Forte, 2058 m), die den Nordabschluß der Sperrkette bildete.

Im benachbarten Höhlensteintal (Valle di Landro) führt ein ehemaliger Fahrweg zu zwei Bunkern, die dieses Tal sperren sollten. Diese oberirdischen Anlagen wurden 1938-42 gebaut und sind nur im Rohbau fertiggestellt. Dem Anschein nach sollten sie als Häuser getarnt werden (jedenfalls besitzt einer der Bunker eine davorgesetzte Mauer mit Giebelform). Die Bunker befinden sich auf einer Höhe von etwa 1420 m bzw. 1490 m ü.NN.



Weitere Bilder:

Kreuzbergpaß:
Bunker im Höhlensteintal:
Sperrwerk Mitterberg:
Angesprochen werden die Anlagen am Kreuzbergpaß auch auf der Seite: » www.alpinefront.de.vu/.
Eine sehr gut bebilderte Seite über die zahlreiche Sperrwerke des 1. Weltkriegs findet sich unter » www.moesslang.net.

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