Markierung eines Blindgängerswährend einer Luftschutzübung 1935 |
Von außen waren die LZZ-Bomben nicht von normalen Blindgängern zu unterscheiden und führten so oft zu Verzögerungen bei den Bergungsarbeiten der Rettungsmannschaften, da das Umfeld erst gesichert werden musste. In der Regel blieben die Blindgänger bis zu acht Tagen liegen, die unmittelbare Umgebung wurde abgesperrt. Die Verordnung zum Umgang mit Blindgängern stammte am Anfang des Krieges noch aus dem Ersten Weltkrieg:
Sofort nach Auffinden ist die nächste Umgebung im Umkreis von etwa drei [!] Metern abzusperren. Die Blindgänger sind durch Warnungstafeln zu kennzeichnen, die bei Dunkelheit durch vorschriftsmäßig abgeblendete Lichtquellen zu beleuchten sind.
Spätestens seit dem Beginn der Flächenbombardements 1942 war diese Vorschrift Makulatur geworden. In einer durch Bombenteppiche und
Flächenbrand zerstörten Straße war es fast unmöglich, die Blindgänger unter den Trümmern zu finden.
Für die Entschärfung eines Blindgängers gab es speziell ausgebildete Wehrmachtsangehörige, die sogenannten Feuerwerker. Diese mussten, oft nur mit
einer einfachen Rohrzange versehen, die freigelegten Sprengkörper durch das Entfernen der Zünder unschädlich machen. Am Anfang des Krieges war dies
noch eine verhältnismäßig kalkulierbare Arbeit. Später wurden neue Zünderarten entwickelt, die nicht mehr ausgeschraubt werden konnten und
dadurch beinahe nicht mehr entschärfbar waren und häufig zum Tod des Feuerwerkers und seiner Helfer führten. Wie viele Personen während des Krieges
bei Entschärfungsaktionen umkamen, ist heute aufgrund zumeist fehlender Akten nicht bestimmbar. Sicher ist jedoch, dass besonders häufig KZ-Häftlinge
umkamen, die kaum ausgebildet und erfahren auf die Bergung und Entschärfung der Blindgänger angesetzt wurden. Adolf Hitler und
SS-Chef Heinrich Himmler hatten dazu 1940 den ausdrücklichen Befehl erteilt. Besonders in der zweiten Hälfte des Krieges wurde die Arbeit solcher
Gefangenen-Räumtrupps immer häufiger und galt als unentbehrlich. Zumeist handelte es sich aber um Himmelfahrtskommandos.
Viele Blindgänger ruhen seit Kriegsende im Boden. In der unmittelbaren Kriegsfolgezeit 1945-1951 starben auf dem Gebiet der Bundesrepublik noch über 5000 Menschen durch die Explosion von Blindgängern, davon mehr als 250 Feuerwerker.
Heute
Allein im Jahr 2005 wurden in Niedersachsen noch 127 sogenannte Großblindgänger (Mindestgewicht 50 kg) beseitigt. Dabei wurden allein 29 1000-lbs-Sprengbomben gefunden. 23 Bomben wurden gesprengt. 110 Funde kamen durch die Auswertung von Luftbildern zustande, die während des Krieges als Aufklärungsfotos angefertigt wurden 1. Dafür steht für etwa 90 % des Landes Niedersachsen entsprechendes Fotomaterial (rund 400.000 Bilder) in sehr unterschiedlicher Qualität für die Auswertung zur Verfügung.
Auch im Braunschweiger Stadtgebiet werden von Zeit zu Zeit immer wieder Blindgänger gefunden:
- Auf dem Gelände der geplanten Flughafenerweiterung wird März 2012 erneut eine britische 250kg-Fliegerbombe gefunden. Da diese mit einem Langzeitzünder versehen ist, wird sie noch vor Ort zur Explosion gebracht. 1700 Anwohner müssen aus dem gefährdeten Bereich evakuiert werden, Autobahn und Flughafen werden für die Zeit der Beseitigung gesperrt.
- Im Januar 2011 werden auf dem Gelände der geplanten Flughafenerweiterung fünf kleine Splitterbomben gefunden, die vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizeidirektion Hannover problemlos entschärft werden können. Evakuierungen sind aufgrund der Lage des Fundorts in einem Waldgebiet nicht notwendig.
- Am 18. Oktober 2009 werden im Stadtteil Riddagshausen vier amerikanische Bombenblindgänger beseitigt, einer davon durch Sprengung. Zeitweise müssen 5200 Bewohner der näheren Umgebung evakuiert werden.
- 2100 Mascheroder müssen kurzfristig ihre Wohnungen verlassen, als am 5. September 2009 in der Nähe des Ortes eine amerikanische 250 kg-Bombe freigelegt und entschärft wird.
- Mitte Juni 2009 wird in Riddagshausen ein 500 kg schwerer Bombenblindgänger entschärft. Rund 900 Bewohner aus der Umgebung müssen kurzfristig das Gefahrengebiet verlassen.
- Am 31. August 2008 werden nach vorangegangener Luftbildauswertung in der Feldmark zwischen Mascherode und Stöckheim insgesamt vier amerikanische Blindgänger (zwei 500-lbs und zwei 1000-lbs-Bomben) gefunden. Rund 5100 Menschen werden für die Zeit der Bergung evakuiert, die angrenzende Autobahn A395 wird für zwei Stunden voll gesperrt. Die Entfernung der Zünder gelingt ohne Probleme.
- An der Eisenbütteler Straße wird am 27. Juli 2008 ein amerikanischer Blindgänger von 150 kg freigelegt und nach einer halben Stunde erfolgreich entschärft. Rund 5300 Menschen wurden vor der Bergung durch den niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst evakuiert.
- Am 24. Januar 2008 wird bei Leiferde ein 225-kg-Blindgänger gefunden. Nach der Evakuierung der im Gefahrenbereich wohnenden Bevölkerung wird die Bombe am Abend gesprengt.
- Anfang Juli 2007 wird bei Baggerarbeiten an der Varrentrapstraße eine amerikanische 100-Pfund-Bombe gefunden. Der gerufene Kampfmittelräumdienst kann die Bombe erfolgreich entsorgen.
- In Braunschweig-Bienrode wird am 15. Juni 2007 wird eine 225-kg-Sprengbombe gefunden. Nach der Evakuierung von 1200 Anwohnern im Gefahrengebiet gelingt dem Kampfmittelräumdienst die Entschärfung.
- Am 21. Januar 2007 wird unter einem im Sturm umgestürzten Baum im Querumer Forst eine Flammstrahlbombe gefunden. Die Bombe wird vom verständigten Kampfmittelräumdienst entsorgt.
- Am 10. Oktober 2006 wird bei Baggerarbeiten am Ringgleis eine 45 Kilo schwere Fliegerbombe gefunden. Diese war in unmittelbarer Nähe des OP-Bunkers Celler Straße niedergegangen. Der Blindgänger kann vom Kampfmittelräumdienst problemlos entschärft werden. Bis zu 900 Menschen werden währenddessen kurzzeitig evakuiert.
- Am 9. Dezember 2005 wird vormittags erneut eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe gefunden, diesmal im Siegfried-Viertel in der Eddastraße. 5300 Menschen müssen während der Entschärfung ihre Wohnungen verlassen, im VW-Werk ruhen Teile der Produktion. Die Entschärfung gelingt problemlos am Frühabend.
- Am 22. November 2005 wird morgens bei Erdarbeiten neben der Brücke an der Pockelsstraße ein 5-Zentner-Bombenblindgänger gefunden. Nachdem der Gefahrenbereich am Nachmittag evakuiert wurde, kann der Sprengkörper um 19 Uhr entschärft werden.
- Auf dem Gelände der Jugenddorf-Christopherusschule an der Georg-Westermann-Allee wird am 19. Oktober 2005 bei Erdarbeiten ein 85 Zentimeter langer Bombenblindgänger gefunden. Da der Zünder fehlt, kann die Bombe aber gefahrlos abtransportiert werden.
- Bei Sondierungsarbeiten im ehem. Schlossparkgelände wird Anfang Juni 2005 in fünf Metern Tiefe eine amerikanische 250-kg-Sprengbombe gefunden. Mehrere tausend Menschen werden vorübergehend aus der näheren Umgebung evakuiert. Die Bombe wird wenige Stunden nach dem Fund im Geitelder Holz gesprengt.
- Beim Neubau der Stadtbahntrasse in Melverode werden im Mai 2005 insgesamt 24 Brandbomben gefunden. Dabei enthält allein ein nicht geöffneter Abwurfbehälter 14 Flammstrahlbomben des Typs J 30 MKI. Die Bomben wurden nach ihrer Bergung zur Entsorgung nach Munster transportiert.
- Im April 2004 wird auf einem Grundstück der Kleingartensiedlung Kralenriede eine amerikanische Spreng- und Splitterbombe vom Typ FRAG 20 gefunden. Sie lag in einer Tiefe von 1,50 Metern und konnte problemlos entschärft werden.
- Ende Juni 2003 wird in Riddagshausen eine 125-kg-Bombe freigelegt und entschärft, nachdem ein Luftbildauswerter auf einer Fotografie einen verdächtigen Punkt geortet hatte.
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Eigentlich selbstverständlich, aber trotzdem sei nochmal darauf hingewiesen: Fundmunition aller Art (Granaten, Patronen, Minen, usw.) und unidentifizierbare oder mutmaßliche Munitionsteile sollten auf keinen Fall berührt, bewegt oder untersucht werden. Dies könnte schwere gesundheitliche, aber auch strafrechtliche Folgen für den Finder haben! Munitionsfunde sind am Fundort zu belassen und umgehend den zuständigen Ordnungsbehörden oder der Polizei vor Ort zu melden, damit weitere Maßnahmen erfolgen können. |


Markierung eines Blindgängers
